
Wer hat an 120 000 Uhren gedreht? Zeitumstellung bei der Bahn
Wenn sich Winterzeit und Sommerzeit abwechseln, heißt es: Uhren umstellen. Zuhause ist das schnell gemacht. Die Deutsche Bahn aber hat rund 120 000 Uhren und muss auch mit einer Stunde mehr oder weniger den Fahrplan einhalten!!! Tipp: In der Reiseauskunft auf bahn.de und in der App DB Navigator sind die genauen Abfahrts- und Ankunftszeiten zu finden.
Winterzeit: Nach 2:59 Uhr kommt 2:00 Uhr
Die Umstellung auf die Winterzeit ist noch komplizierter, weil eine Stunde doppelt stattfindet. Deshalb werden Züge, die um diese Zeit unterwegs sind, an einem geeigneten Bahnhof auf der Reisestrecke angehalten. Auf diese Weise erreichen die Züge ihre Zielbahnhöfe fahrplanmäßig und kommen morgens nicht eine Stunde zu früh an.
Wenn Züge zweimal abfahren
Aber was ist, wenn du in dieser Nacht um 2:35 Uhr die S- oder Regionalbahn nehmen musst? Wann stellst du dich ans Gleis? 2:35 Uhr gibt es in dieser Nacht ja zwei Mal! Genau deshalb fahren die Bahnen, die in der Nacht unterwegs sind, in der „doppelten Stunde“ zweimal. Eine Ausnahme gibt es bei Münchens S-Bahnen. Diese fahren in der Nacht der Zeitumstellung nur einmal und nicht in der zusätzlich „gewonnenen“ Stunde.
Sommerzeit: Nach 1:59 Uhr kommt 3:00 Uhr
Zum Wechsel von der Winterzeit zur Sommerzeit werden die Uhren mitten in der Nacht um eine Stunde vor gestellt. Nach 1:59 Uhr kommt also 3:00 Uhr. Das bringt so einige Herausforderungen für den Fahrplan der Bahn mit sich. Denn plötzlich fehlt eine Stunde. Was also tut die Bahn, damit nicht alle Züge eine Stunde verspätet sind? Und was ist mit den Zügen, die normalerweise zwischen 2 und 3 Uhr abfahren?
- S-Bahn-Züge, die nur innerhalb dieser Stunde unterwegs wären, fallen aus.
- Nachtzüge haben in der Regel nächtliche Aufenthalte, die dann entsprechend gekürzt werden. Wenn das nicht möglich ist, kommen die Züge an diesem Tag verspätet an.
- Güterzüge fahren nach Möglichkeit schon vor der planmäßigen Abfahrt los. Sie erreichen ihren Zielort dann mit geringer oder oft auch ohne Verspätung.

© Deutsche Bahn AG / Axel Hartmann
Warum werden die Uhren überhaupt umgestellt?
Die Idee hinter der Zeitumstellung ist, das Tageslicht möglichst optimal auszunutzen. Das soll zum Beispiel Strom für die Beleuchtung und damit Geld und Energie sparen, weil in der Sommerzeit erst eine Stunde später das Licht angeschaltet wird. Außerdem können die kühlen Morgenstunden im Sommer besser genutzt werden.
Die Zeitumstellung in Deutschland
In Deutschland wurde die Sommerzeit das erste Mal 1916 eingeführt, 1919 wieder abgeschafft und dann 1940 erneut eingeführt. Dann wurde sie 1949 noch einmal abgeschafft und ist seit 1980 wieder beschlossene Sache. Zwischendurch gab es sogar mal eine doppelte Sommerzeit mit zwei Stunden Zeitumstellung.
Heute überlegt man wieder, die Zeitumstellung abzuschaffen. Denn die Umstellung schafft auch Schwierigkeiten. Zum Beispiel durch das frühere Aufstehen im März oder die aufwendige Umstellung der vielen, vielen Armband-, Kirchturm-, Computer- und auch Bahnhofsuhren.
Die Fahrpläne bei der Bahn müssen so oder so eingehalten werden.
In welche Richtung wird die Uhr verstellt?
Wie die Uhren umgestellt werden müssen, kannst du dir gut merken mit dem Sprichwort: „Im Frühling kommen die Gartenmöbel vor die Tür, im Herbst zurück in den Schuppen.“ Das heißt: Zum Sommer stellst du die Uhren vor und hast in der Nacht eine Stunde weniger Schlaf und im Herbst stellst du die Uhren zurück und kannst eine Stunde länger schlafen.
In der Bildergalerie kannst du einmal quer durch Deutschland reisen und verschiedene Bahnhofsuhren entdecken, die jedes Jahr im März vor und im Oktober zurück gestellt werden.
Klicke oder wisch dich durch!
Früher gab es noch viel mehr Uhren-Wirrwarr
Wenn man vor mehr als hundert Jahren von einer Stadt in Deutschland in eine andere fuhr, konnte man über die Bahnhofsuhren leicht denken: Die ticken doch nicht richtig! Damals gab es nämlich über 60 Zeitzonen und das führte dazu, dass zwischen zwei benachbarten Orten ein Zeitunterschied von mehreren Minuten bestehen konnte. Die Eisenbahn hatte damit ein Riesenproblem: Eine einheitliche Zeit musste her! Deshalb wurde 1893 die „Mitteleuropäische Zeit“ (MEZ) eingeführt.
Mit einer Hauptuhr, auch Mutteruhr oder Zentraluhr genannt, wurden von da an alle anderen Uhren überwacht und gesteuert. Dadurch hatten endlich alle Bahnhöfe die gleiche Zeit, von Flensburg im Norden bis Oberstdorf im Süden und von Saarbrücken im Westen bis Frankfurt/Oder im Osten. Heute empfangen alle Bahnfunkuhren ein Signal aus Mainflingen bei Aschaffenburg, das die Zeit abgleicht – dreimal stündlich während der Minuten 19, 39 und 59, und dann auch zur Sommerzeit und Winterzeit automatisch eine Stunde vor- oder zurückstellt.
Das war ein kleiner Blick hinter die Kulissen der Bahn. Lust auf mehr? Dann klicke einfach auf den Bahn-Entdecker und dort auf eine kleine Erkundungstour!